Okay, wir müssen reden.
Nicht über den Ex. Nicht über die toxische Arbeitskollegin. Heute reden wir über etwas, das dich entweder sehr glücklich oder sehr wütend machen wird – wahrscheinlich beides.
Wir reden über Weed. Und zwar über die Geschichte dahinter. Die echte. Die wilde. Die, die sie dir in der Schule nicht erzählt haben.
Denn bevor Cannabis zum „gefährlichen Rauschgift“ erklärt wurde, war es etwas ganz anderes: normal. Allgegenwärtig. Respektiert. Medizinisch verschrieben. Von Kaisern konsumiert. Von Königinnen genutzt.
No, seriously. Königinnen.
Also: Snacks bereit? Gut. Folge 1 unserer kleinen Cannabis-Doku beginnt jetzt.
10.000 Jahre Cannabis – ein kurzer Überblick für alle, die Geschichte in der Schule geschlafen haben
Lass uns kurz die Timeline zurechtlegen, damit du das Ausmaß verstehst.
Cannabis ist nicht eine Pflanze, die in den 70ern von Hippies entdeckt wurde. Cannabis ist eine Pflanze, die Menschen seit mindestens 10.000 Jahren kennen, nutzen und kultivieren. Zehn. Tausend. Jahre.
Zum Vergleich: Das Römische Reich existierte etwa 1.000 Jahre. Das Christentum ist 2.000 Jahre alt. Cannabis war schon 8.000 Jahre früher da.
Die ältesten Nachweise kommen aus Zentralasien – dem Gebiet des heutigen Kasachstans, Chinas, Indiens. Dort haben Menschen Cannabis angebaut, verarbeitet und konsumiert, lange bevor irgendjemand das Wort „Verbot“ kannte.
Und jetzt buckle up, weil wir uns das im Detail anschauen.
China, 2700 v. Chr.: Der Kaiser mit dem Weed-Rezept
Unser erster Stop: Das alte China. Jahr: ungefähr 2700 vor Christus. Kaiser: Shen Nung, auch bekannt als der „Gottkaiser“, Vater der chinesischen Medizin und – wie wir jetzt wissen – absoluter Pionier.
Shen Nung hat Cannabis in seinem berühmten Werk „Pen Ts’ao“ dokumentiert – einem der ersten medizinischen Bücher der Menschheitsgeschichte. Seine Empfehlung? Cannabis gegen Rheuma. Gegen Malaria. Gegen schlechte Laune und mangelnde Konzentration.
Ein kaiserliches Rezept gegen schlechte Laune und mangelnde Konzentration. Anno 2700 v. Chr.
Ich sage nur: Der Mann wusste, was er tat.
Aber Shen Nung war nicht allein. Chinesische Texte aus dieser Ära beschreiben Cannabis als „Obere Kräuter“ – die höchste Kategorie in der chinesischen Medizin, reserviert für Substanzen, die Leben verlängern und Geist stärken. Nicht die Downer-Kategorie. Die Premium-Kategorie.
Frauen nutzten Cannabis-Präparate in China gegen Menstruationsschmerzen und bei Geburten. Seit 2700 vor Christus. Und heute muß man sich erklären, wenn man über Weed redet. Interessant.
Indien: Wo Cannabis heilig ist – buchstäblich
Nächster Stop: Indien. Und hier wird es spirituell.
Im Hinduismus ist Cannabis – bekannt als Bhang, Ganja oder Charas – seit über 3.000 Jahren Teil religiöser Praxis. Die Verbindung zur Gottheit Shiva ist tief verankert: Shiva selbst wird in Texten als der große Konsument von Bhang beschrieben, der durch die Pflanze Erleuchtung und Frieden fand.
Das Holi-Fest – das bunte Frühllingsfest, das du von Instagram kennst – ist traditionell verbunden mit Bhang-Getränken. Tempel haben es angeboten. Priester haben es konsumiert. Es war kein Randphänomen, es war Mainstream-Kultur.
Die Vedas – die heiligen Texte des Hinduismus, geschrieben zwischen 1500 und 1000 v. Chr. – erwähnen Cannabis als eine von fünf heiligen Pflanzen. Fünf heilige Pflanzen. Cannabis macht die Liste.
Und dann kamen europäische Kolonialmächte und fanden das alles sehr unkömlich. Aber das ist eine andere Geschichte – für Teil 2.
Ägypten: Cleopatra hätte es wahrscheinlich gemocht
Weiter nach Ägypten. Das alte Ägypten, um genau zu sein – die Zivilisation, die Pyramiden gebaut, Schrift erfunden und so nebenbei auch Cannabis genutzt hat.
Der Ebers Papyrus, eines der ältesten medizinischen Dokumente der Welt (ca. 1550 v. Chr.), enthält Rezepturen mit Cannabis. Gegen Entzündungen. Gegen Schmerzen. Es gab Cannabis-Zubereitungen, die vaginal angewendet wurden – wahrscheinlich gegen Menstruationsbeschwerden oder bei Geburten.
Das alte Ägypten hatte also schon Cannabis-Gynologie. Ich ließe das mal kurz sinken.
Archäologische Funde belegen Cannabis-Pollen in ägyptischen Grabstätten. Mumien haben Cannabis-Spuren gezeigt. Es war Teil des Lebens – und offenbar auch des Lebens danach.
Die Skythen: Party-Ritual oder was?
Okay, diese Gruppe ist mein persönlicher Favorit in dieser Geschichte.
Die Skythen waren ein nomadisches Reitervolk in der eurasischen Steppe, das ungefähr 900 bis 200 v. Chr. existierte. Und der griechische Historiker Herodot – der Kerl, dem wir viele antike Berichte verdanken – beschreibt folgendes Ritual der Skythen nach dem Tod eines Mitglieds:
Sie bauten kleine Zelte. Legten erhitzte Steine rein. Warfen Cannabis-Samen darauf. Setzten sich rein. Und dampften gemeinsam.
Herodot schreibt: „Die Skythen nehmen von diesem Hanfsamen… kriechen unter die Filzdecken und werfen den Samen auf die glühenden Steine. Der Same dampft und erzeugt so viel Dampf, dass keine griechische Sauna es übertreffen könnte. Die Skythen vor Vergnügen brüllend.“
Vor Vergnügen brüllend.
Dieses Bild lebt in meinem Kopf mietfrei. Eine Gruppe Skythen, 400 v. Chr., in einem Dampfzelt, vor Vergnügen brüllend. Das ist uralt. Das ist menschlich. Das ist… eigentlich schön?
Griechenland & Rom: Cannabis als Alltags-Medizin
Das antike Griechenland und Rom? Ebenfalls an Bord.
Dioscorides, ein griechischer Arzt im ersten Jahrhundert n. Chr., dokumentierte Cannabis in seiner De Materia Medica – dem medizinischen Standardwerk der Antike, das über 1.500 Jahre lang verwendet wurde. Cannabis wurde gegen Ohrenschmerzen, Entzündungen und als Schmerzmittel empfohlen.
Galen, der einflussreichste Arzt der Antike nach Hippokrates, erwähnte Cannabis als etwas, das bei Feiern gereicht wurde – um „Wohlbefinden“ zu fördern. Römische Partys mit Cannabis-Desserts. Das wäre ein Pinterest-Board, das ich gerne sähe.
Das Mittelalter: Auch hier, überall
Springen wir ins Mittelalter. Europa. Kloster, Könige, Pest – und Cannabis.
Hildegard von Bingen – die berühmte Benediktiner-Äbtissin, Mystikerin und Naturwissenschaftlerin des 12. Jahrhunderts – erwähnte Cannabis in ihren medizinischen Schriften. Gegen Kopfschmerzen und als Nährstoffquelle.
Hanf war im mittelalterlichen Europa überall: Seile, Segel, Kleidung, Papier. Und ja, auch medizinische Anwendungen. Es gab keine Trennung zwischen „normaler“ Hanfpflanze und Cannabis wie wir es heute kennen – es war einfach eine Pflanze mit vielen Verwendungszwecken.
Deutsche Bauern bauten Hanf an. Französische Seilerinnen verarbeiteten ihn. Holländische Schiffer segelten damit um die Welt. Die Pflanze war überall. Sie war der Kunststoff des Mittelalters.
1800er: Cannabis in der europäischen Apotheke – total normal
Und jetzt kommen wir in die Neuzeit. Das 19. Jahrhundert. Die Epoche, in der alles noch mal richtig interessant wird.
In den 1830ern brachte der irische Arzt William Brooke O’Shaughnessy Cannabis aus Indien nach Europa. Er hatte es dort als Schmerzmittel, Krampflöser und Beruhigungsmittel beobachtet und war so beeindruckt, dass er es in die westliche Medizin einführte.
Innerhalb weniger Jahrzehnte war Cannabis-Tinktur in jeder europäischen und amerikanischen Apotheke erhältlich. Ganz normale Über-den-Tresen-Medizin. Gegen Schmerzen, Schlaflosigkeit, Angstzustände, Menstruationsbeschwerden, Migräne.
Und jetzt der Moment, auf den ich gewartet habe:
Queen Victoria. Cannabis. Regelschmerzen.
Sir J.R. Reynolds, Leibarzt von Königin Victoria, verschrieb ihr Cannabis-Tinktur gegen dysmenorrhea – sprich: starke Regelschmerzen. Regelmäßig. Über viele Jahre.
Queen Victoria. Die Herrscherin des Britischen Empire. Die Frau, nach der das viktorianische Zeitalter – bekannt für seine Prüderie und strengen Moralvorstellungen – benannt ist. Hat Cannabis gegen ihre Periode genommen.
Und heute mußt du dich erklären, wenn du dasselbe tust.
Die Ironie ist so dick, man könnte sie schneiden.
Reynolds selbst schrieb 1890 im The Lancet – einer der renommiertesten medizinischen Zeitschriften der Welt, die es heute noch gibt – dass Cannabis „one of the most valuable medicines we possess“ sei. Ein Wert-volles Medikament. Seine Worte. Im Lancet. 1890.
Amerika im 19. Jahrhundert: Cannabis ist einfach… Medizin
Auch in den USA war das Bild eindeutig. Merck, Squibb, Eli Lilly – die großen Pharmaunternehmen der Zeit – verkauften Cannabis-Präparate. Der US Pharmacopeia – das offizielle Arzneimittelbuch – listete Cannabis von 1850 bis 1942.
1850 bis 1942. Das sind 92 Jahre, in denen Cannabis offiziell anerkanntes Medikament in den USA war.
Und dann…
Dann passierte etwas. Und was passierte, war so absurd, so politisch, so durchdrungen von Rassismus und Wirtschaftsinteressen, dass es sich anfühlt wie ein schlechter Film.
Aber das – das erzählen wir dir in Teil 2. Denn dieser Teil der Geschichte verdient seine eigene Folge. Versprochen.
Was wir bis hier wissen
Lass uns kurz zusammenfassen, was wir heute gelernt haben:
- Cannabis ist seit 10.000 Jahren Teil der Menschheitsgeschichte
- Kaiser, Priester, Ärzte und Königinnen haben es genutzt
- Es war Medizin, Ritual, Nahrung, Rohstoff – alles auf einmal
- Queen Victoria hat es gegen Regelschmerzen genommen
- Und dann wurde es verboten. Aus Gründen, die mit der Pflanze herzlich wenig zu tun hatten.
Teil 2 kommt. Und er wird dich angry machen. Versprochen.
Bis dahin: Schau dir die Pretty High Kollektion an. Für alle, die den Space zurückfordern – mit Geschichte im Rücken.
Und falls du Weed gerade neu für dich entdeckst: Unser First Time Guide für Frauen und der Artikel über CBD vs. THC sind ein guter Start.
History is wild. So are we. Teil 2 folgt. 👀💚